Morbus Bechterew

Morbus Bechterew oder auch Spondylitis ankylosans (AS) genannt, ist eine rheumatisch entzündliche Erkrankung.
Sie betrifft hauptsächlich die Kreuz-Darmbeingelenke (ISG), Brust und Lendenwirbelsäule. Es kann aber auch zu Entzündungen von anderen großen Gelenken kommen, wie etwa Knie, Schulter, Hüfte usw. man spricht dann von peripherer Gelenkbeteiligung.
Außerhalb der Gelenke kann es zu Entzündungen der Regenbogenhaut des Auges kommen, oder den Sehnenansätzen z.B. der Achillessehne.
Morbus Bechterew ist eine chronische Krankheit und gilt als Unheilbar, allerdings kommt die Krankheit bei manchen Patienten aus unbekannten Gründen zum Stillstand. Nach etwa 40 Jahren Krankheitsdauer sind 90% der Betroffenen nicht auf fremde Hilfe angewiesen.

Symptome und Verlauf

Die ersten Symptome treten meistens zwischen dem 20.-25. Lebensjahr auf,
bei 5% der Fälle erst nach dem 40. Lebensjahr.
Stumpfe Schmerzen im Lenden- und Gesäßbereich sind erste Anzeichen, dazu kommt oft morgendliche Steifheit, beide Symptome lindern sich bei Bewegung und kehren in Ruhephasen wieder.
Auch Schmerzen an der Achillessehne, in der Fußsohle oder die Entzündung der Mittleren Augenhaut (Regenbogenhaut) können erste Symptome sein.

Erste Beschwerden zusammengefasst:

  • Nächtliche Schmerzen und Steifigkeit
  • Linderung der Beschwerden bei Bewegung
  • Links und Rechts abwechselnde Gesäßschmerzen
  • Morgendliche Steifigkeit länger als 30 min.
  • Schmerzen an der Ferse bzw. Achillessehne
  • oder anderen Sehnenansätzen
  • Entzündung der Regenbogenhaut
  • Die Beschwerden dauern länger als 3 Monate an

Die Krankheit tritt meistens in Schüben auf, es kann zu Wochen bis Monatelanger Beschwerde-Freiheit bzw. Linderung kommen, worauf ein schmerzhafter Schub folgt. Die Dauer eines Schubes variiert stark, und kann Tage bis Monate anhalten.
Im späteren Verlauf kann es durch die Entzündungen im Kreuz-Darmbeingelenk zu dessen Verknöcherung kommen. Durch diesen Vorgang bilden sich an der Wirbelsäule Knochenspangen, die benachbarte Wirbel überbrücken, dabei kann es zu einer Kyphose kommen, einem Buckel.

Der Verlauf von Morbus Bechterew fällt sehr unterschiedlich aus. Er kann sich mit leichter Steifheit äußern, bis hin zur kompletten Verknöcherung der Wirbelsäule (Bambuswirbelsäule), was eine enorme Beweglichkeitseinschrenkung zur Folge hat. Dieser Verlauf kann heutzutage allerdings meistens durch gezielte Krankengymnastik verhindert werden.

Diagnose

Bild einer beidseitigen Sacroiliitis

Früher glaubte man das Männer etwa 3 mal häufiger betroffen sind wie Frauen, heute weiß man aber das Männer und Frauen gleichermaßen betroffen sind. Bei Frauen verläuft die Krankheit was die Verknöcherung angeht meistens viel milder, weshalb Morbus Bechterew seltener diagnostiziert wird. Auch bei Männern gibt es solche milden Verläufe die nie diagnostiziert werden.
Bis Morbus Bechterew überhaupt diagnostiziert wird vergehen meistens 5-7 Jahre, in einigen Fällen noch länger, dabei ist die frühe Diagnosestellung sehr wichtig um Verknöcherungen zu vermeiden.
Eine Entzündung der Kreuz-Darmbeingelenke (Sakrolliitis) ist im MRT schon Jahre vorher erkennbar im Gegensatz zu Röntgenbildern.
Einen sicheren Labortest gibt es leider nicht. Allerdings haben 95 % der Betroffenen das HLA-B27 Gen, was wiederrum ca. 9% der Gesamtbevölkerung haben, dies ist also ein Risikofaktor. Die meistens Träger des Gens bleiben aber gesund.
Im Blutbild zeigen sich meistens Entzündungen, diese werden durch den CRP Wert bestimmt, auch der BSG Wert ist in vielen Fällen erhöht (Blut-Senkungsgeschwindigkeit). Der Rheumafaktor ist negativ.
Zur Diagnosestellung werden die modifizierten New York Kriterien aus dem Jahr 1984 verwendet. Diese stellen sich aus 2 Bereichen zusammen:

Klinische Kriterien

  • Tiefsitzender Kreuzschmerz und Steifigkeit länger als 3 Monate. Besserung durch Bewegung, aber nicht durch Ruhe.
  • Eingeschränkte Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule in sagittaler und frontaler Ebene.
  • Eingeschränkte Atemexkursion des Brustkorbes auf <2,5cm (korrigiert für Alter und Geschlecht).

Radiologisches Kriterium (MRT)

  • Entzündliche Veränderungen im Bereich der Kreuz-Darmbein-Gelenke (Sakroiliitis > Grad 2 beidseitig oder Grad 3-4 einseitig).

Die gesicherte Diagnose ist wenn ein klinisches Kriterium und das radiologische Kriterium erfüllt sind.
Wahrscheinlicher Morbus Bechterew ist wenn nur das radiologische Kriterium erfüllt ist, oder alle drei klinischen Kriterien.

Die Ursache

Die Ursache für Morbus Bechterew scheint bis heute ungeklärt, einen engen Zusammenhang mit der Krankheit scheint aber das HLA-B27 Gen zu sein. Dieses Gen betrifft 95% der Betroffenen, ist aber nicht die Ursache.
Es gibt aber Studien die darauf hinweisen das IgA- Antikörper die normaler Weise das Bakterium Klebsiella pneumoniae bekämpfen, mit einem Molekül von HLA-B27 kreuzreagieren. Das hat zur Folge das die IgA- Antikörper sich nicht nur gegen das Bakterium richten, sondern sich wegen molekularer Mimikry auch gegen körpereigene Strukturen wenden, und damit eine Autoimmunkrankeit wie Morbus Bechterew auslösen können.